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Der Lantz'sche Park - das Kleinod von Lohausen

nach Waldemar Pretzsch und Prof. Dr. Guntram Fischer

Eine kurze Wegstrecke am Tennisclubs BSG vorbei, eine Wiese überquerend und der Fußgänger passiert ein verwittertes Mauerwerk, das in einem großen Rund einen Park mit hoch in den Himmel ragenden alten Bäumen umschließt - den Lantz'schen Park von Lohausen mit dem großen Herrenhaus von 1820 und der neugotischen Begräbniskapelle der Familie Lantz, erbaut 1879.

Frühestens nachgewiesen ist der Park auf einer Lagekarte, in der das Quartier des Generalmajors Dedem eingezeichnet ist, Kommandeur eines französischen Artillerie-Detachements auf dem Rittergut Lohausen der Herren von Calkum.

Beckmann 1863 - Südseite Villa Lantz
Archiv Dyckmanns
Es war das Jahr 1702, als Kaiserswerth infolge des Spanischen Erbfolgekrieges von den Franzosen belagert wurde. Auf dem Kartenausschnitt sind zu dieser Zeit bereits gärtnerische Anlagen innerhalb der Waldparzellen des ehemaligen Rittersitzes erkennbar wie Wegekreuzungen, durchgehende Blickachsen und Zugänge zum Herrenhaus, Grundelemente, die in den späteren Entwürfen von Joseph Clemens Weyhe (1807-1871) aus dem Jahr 1858 mit Rücksicht auf die historischen Parkstrukturen beibehalten wurden. Er ist der Sohn des bekannteren Gartenbaukünstlers Maximilian Friedrich Weyhe (1775-1846) und Nachfolger im Amt seines Vaters als königlicher Hofgartendirektor in Düsseldorf. Die Idee einer dominierenden Achse mit beidseitigen Doppelbaumreihen im hinteren Parkteil und einem Rundweg durch den Park entstammt Karl Friedrich Julius Bouche (1846-1922), Königlich Botanischer Gärtner in Bonn.

1804/05 veräußert Ferdinand Frhr. Von Calkum, genannt Lohausen, aus materieller Notlage den Rittersitz an den im Überseehandel wohlhabend gewordenen Kaufmann Heinrich Balthasar Lantz. Fünf Generationen der Familie Lantz auf dem Lohausener Landsitz waren während 168 Jahren mit Verzicht auf entfremdende Veränderungen bemüht, die historisch gewachsene Substanz der bewaldeten Grünanlagen so zu erhalten, daß sie bis in die Gegenwart ein Dokument ihrer Zeit geblieben sind.

Nach dem Tod des unverheirateten Ulanen-Rittmeisters Ludwig Lantz (1885-1969) ging der gesamte Grund und Boden in die Hände der letzten, heute in Xanten lebenden Erbin Benedikta Dyckman, Nichte des Verstorbenen, über. Diese verkaufte ihn am 26. Juni 1972 an die Stadt Düsseldorf mit der Auflage, für die Erhaltung des Parks über 100 Jahre Sorge zu tragen und ihn für die Öffentlichkeit zugänglich zu halten.

Durch die Folgen zweier Weltkriege, Artilleriebeschuß und Abholzung gegen den Willen des Besitzers war der Park stark beschädigt und verwildert. Die Stadt übergab die Aufgabe der völligen Überholung des Parks dem Landschaftsarchitekten Franz Joseph Greub, der sich sorgfältig an die überlieferten Planungen Weyhes und Bouches hielt. Mit Hilfe von archäologischen Bodenkontrollen, Profilmessungen der alten Parkwege, Katasterauszügen aus verschiedenen Zeitabschnitten, Originalrechnungen aus Ankäufen von Baumschulen und Gärtnereien entstanden neu gefaßte Pläne, mit deren Umsetzung das städtische Gartenamt 1974 begann. Seit Februar 1975 lädt das weit geöffnete schmiedeeiserne Tor jedermann ein, den alten Bestand von Platanen, Rot-, Weiß- und Blutbuchen, Kiefern, Zypressen, Linden, Rhododendren und vieles mehr zu bewundern. Die offizielle Übergabe an die Bürger erfolgte am 10. September 1987 durch Oberbürgermeister Klaus Bungert. Der wiedererstandenen Park Lantz wird seit 1982 von der Unteren Denkmalbehörde als gärtnerisches Kulturgut geschützt. Hindorf, 1863 Ziergarten (Südseite)
des Herrenhauses mit  Wintergarten

Heute ist das ehemalige Rittergut nicht mehr so sehr die stille Idylle. Die unschönen Begleiterscheinungen des technischen Fortschritts, hier der lärmende Flugverkehr, dem manche alte, sich zu hoch streckende Baumkrone zum Opfer fiel, und die auf das grüne Fleckchen Erde zukommenden Auswirkungen der A44-Rheinbrücke und ihrer Anschlüsse sind nüchterne Wirklichkeit. Dennoch bleibt der Lantz'sche Park das kostbare Kleinod, historisches Kulturgut von Rang und täglich genutzter Ort des Verweilens von Anwohnern, Besuchern und Kindern. Die Begräbniskapelle steht wie bisher der katholischen Kirchenge-meinde für die Maiandacht zur Verfügung. Die Fronleichnamsprozession beginnt auch heute noch im Park mit der Messe an dem vor dem Haupteingang hierfür aufgebauten Altar. Ebenfalls zur Tradition geworden ist der Martinszug mit der Szene der Mantelteilung. Dann liegt der Park im Dunkeln, leuchten die bunten Martinslampen der Kinder, St. Martin hoch zu Roß gibt seine Mantel-hälfte dem Bettler im Stroh - die Kinderaugen glühen und auch die Erwachsenen sind fasziniert. Und Jahr für Jahr feiern die Lohausener Bürger im September ihr Dorffest im Lantz'schen Park.

aus Bürgermagazin 2000